Heute Morgen gab es erneut eine WhatsApp-Nachricht unseres Sportleiters Andy. Und wieder klang sie erstaunlich vielversprechend. Lange bevor das Briefing überhaupt um 10 Uhr begann, standen bereits die ersten Segelflugzeuge – erneut in Startrichtung 10 – geschniegelt im Grid.
Spätestens da war klar: die Mönchsheide meint es heute wieder ernst.
🕊️ Ein stiller Moment für Gerd
Noch bevor das eigentliche Briefing begann, wurde es in der Briefinghalle plötzlich ganz ruhig.
In Gedenken und großem Respekt an im vergangenen Jahr verstorbenen Gerd Doepner wurde gemeinsam eine Schweigeminute gehalten. Gerd war viele Jahre – eigentlich Jahrzehnte – Teil des Wettbewerbsteams und gehörte für viele einfach fest zur BBSW dazu.
Und irgendwie hatte man heute beim Blick nach oben fast das Gefühl, als würde er noch immer über den Platz schauen.
Vielleicht mit verschränkten Armen am Himmel stehen, leicht grinsen und kontrollieren, ob unten auch alles ordentlich läuft.
Oder ob wieder jemand ohne Sonnencreme ins Grid geht.
✈️ Die Sicherheitshinweise zeigen Wirkung
Die sicherheitsrelevanten Hinweise vom Vortag scheinen übrigens hervorragend funktioniert zu haben.
Es landete jeder mit ausgefahrenem Fahrwerk.
Und auch Geisterkurbler im Bart blieben erfreulicherweise aus.
Die Mönchsheide bewegt sich also weiterhin erfolgreich zwischen Wettbewerbsfliegen und kontrollierter Zivilisation. 😄
🌤️ Bernd meldet: Bilderbuchwetter mit kleiner Gemeinheit
Bernd präsentierte anschließend eine Wetterlage, bei der vermutlich jeder Segelflieger innerlich sofort „endlich!“ dachte.
Hochdruckeinfluss sorgte weiterhin für eine trockene und warme Luftmasse. Die letzten Ci-Felder in der Höhe lösten sich langsam wellenförmig auf und zogen Richtung Südosten ab. Darunter dominierte überwiegend Blauthermik mit maximal 1/8 Cu-Bewölkung zur Mittagszeit und mäßiger Thermik bis etwa 1900 Meter.
Der Wind kam am Boden aus Südost mit etwa 5 bis 10 Knoten. In der Höhe zeigte sich sogar das meteorologische Lehrbuchbeispiel einer Rechtsdrehung des Windes: bis 1000 Meter aus 210°, bis 1500 Meter dann aus 260° mit etwa 5 Knoten.
Bernd freute sich sichtbar darüber. Meteorologen lieben sowas vermutlich ähnlich sehr wie Segelflieger funktionierende Bärte.
Das QNH blieb stabil bei 1029 hPa.
Kurz gesagt: von unten sah das Wetter wunderschön aus. Von oben offenbar… anspruchsvoll.
☀️ UV-Strahlung, Fischerhüte und kreative Modeideen
Durch die kaum vorhandene Bewölkung wurde erneut eindringlich vor Sonnenbrand gewarnt.
Also wieder das übliche Bild auf der Mönchsheide:
Fischerhüte, Sonnencreme, lange Kleidung und Menschen, die aussehen, als würden sie entweder segelfliegen oder eine Wüstenexpedition vorbereiten.
Besonders ironisch: am vorletzten Tag wurde extra noch ein Sonnencappi gekauft, um den Kopf optimal zu schützen.
Und was passiert?
Natürlich wird es beim Helfen am Start in der prallen Sonne konsequent nicht getragen.
Man könnte also sagen: die Schutzmaßnahme war meteorologisch hervorragend vorbereitet, operationell aber eher… ausbaufähig.
Damit der Sonnenschutz heute aber trotzdem nicht komplett scheiterte, wurde kurzerhand ein rosa Haarturban zu einem improvisierten Sonnencappi umfunktioniert.
Tom kommentierte das Ganze trocken mit:
„Na das ist mal ein Fashion Statement – das hat Stil.“
Die Eigenwahrnehmung sah zwar eher nach „komplett bescheuert“ aus…
aber funktional war es trotzdem.
Und genau darum geht es auf Flugplätzen ja meistens.
🗺️ Eine Aufgabe für alle
Heute bekamen tatsächlich alle Klassen dieselbe Aufgabe verpasst. Der einzige Unterschied lag in der Zeitvorgabe.
Geflogen wurde eine Assigned Area Task:
Mönchsheide – Wershofen Eifel – Hühnerkuppel – Loreley Bühne – Mönchsheide
📏 143,13 km – 368,05 km
🎯 Optimal: 251,57 km
Die Zeitvorgaben:
🟦 Club-/Standardklasse → 3h 30min
🟥 Offene Klasse → 3h
🟨 Doppelsitzerklasse → 3h
🛩️ Schleppbetrieb mit vertrauten Gesichtern
Auch heute standen wieder die bekannten Schleppmaschinen bereit:
- D-EGRU – Job 15
mit aus historischen Gründen genanntem Käpt’n Remo alias Jürgen – für die jüngeren Generationen inzwischen eher „Käpt’n Job“, was zum Flugzeugmodell vermutlich tatsächlich besser passt - D-MXMI – Dynamic WT9
mit Steffen Passmann - D-MYBR – Breezer
mit Norbert Kühne - D-MMYD – Dynamic WT9
mit Harry Hemmer
Und wie immer zeigte sich: ohne Schlepppiloten gäbe es hier maximal ambitioniertes Anschieben Richtung Thermik.
🏆 Die Sieger des Tages
🟦 Club-/Standardklasse
- Nils Kiefer – FH
260,01 km
🚀 68,86 km/h
⏱️ 3h 46min 33s
🏆 beeindruckende 965 Punkte
- Tim Hannappel – YYY
181,20 km
🚀 51,77 km/h
⏱️ 3h 26min 25s
🏆 starke 769 Punkte
- Gerhard Marx – 4B
165,27 km
🚀 47,22 km/h
⏱️ 2h 57min 54s
🏆 respektable 650 Punkte
🟥 Offene Klasse
- Philipp Ehrhardt – PE
243,99 km
🚀 73,76 km/h
⏱️ 3h 18min 29s
🏆 starke 619 Punkte
- Roloff & Kleinblotekamp – OF
217,02 km
🚀 69,51 km/h
⏱️ 3h 07min 20s
🏆 überzeugende 596 Punkte
- Karsten Stoppe – PX
232,85 km
🚀 68,91 km/h
⏱️ 3h 22min 44s
🏆 solide 578 Punkte
🟨 Doppelsitzerklasse
- Wartha & Lauer – MO
225,42 km
🚀 72,45 km/h
⏱️ 3h 04min 09s
🏆 hervorragende 428 Punkte
- Everwin & Dauer – 33
218,21 km
🚀 66,40 km/h
⏱️ 3h 17min 10s
🏆 hauchdünn dahinter mit 427 Punkten
Das war wirklich knapp.
Wahrscheinlich entschied irgendwo ein einzelner Bart über Platz 1 oder 2.
- Böhnisch & Luft – AG
187,43 km
🚀 65,81 km/h
⏱️ 2h 53min 21s
🏆 starke 377 Punkte
🌤️ Heute war nichts geschenkt
Heute wurden keine 1000 Punkte erreicht. Und anhand vieler Gesichter und Kommentare merkte man ziemlich schnell: das war heute keine einfache Aufgabe.
Aussagen des Tages waren unter anderem:
„Et is wie et is.“
„Mit Glück hat man einen Bart gefunden.“
„Wenn man heute zu tief war, wäre man abgesoffen.“
„Also wäre heute kein Wettbewerb gewesen, wäre heute keiner geflogen.“
„Einen Tag gewinnt man, einen Tag verliert man.“
Und manchmal sagten die Blicke nach der Landung ohnehin deutlich mehr als tausend Worte.
Denn auch genau solche Tage gehören zum Wettbewerbsfliegen dazu: nicht jeder Flug fühlt sich brillant an. Nicht jeder Himmel schenkt einem etwas.
Aber genau deshalb bedeuten die guten Tage später umso mehr.
📊 Gesamtwertung vor dem letzten Wettbewerbstag
Während an den Tischen langsam gerechnet, spekuliert und diskutiert wurde, lohnt sich definitiv noch ein Blick auf die bisherige Gesamtwertung. Zur Erinnerung: Pro Wertungstag sind maximal 1000 Punkte möglich – und genau deshalb kann sich theoretisch noch einiges verschieben.
Die Ausgangslage vor dem letzten Tag könnte also kaum spannender sein.
🟦 Club-/Standardklasse
- Tim Hannappel – YYY
Glasflügel H301
🏆 3.619 Punkte - Nils Kiefer – FH
ASW 24 WL
🏆 3.357 Punkte - Philine Svoboda – WU
LS 4 neo
🏆 2.575 Punkte - Benjamin Heibel – LX
DG 303
🏆 2.358 Punkte - Mike Genschmar – SP
DG 300 WL
🏆 2.033 Punkte - Gerhard Marx – 4B
LS 6
🏆 1.232 Punkte - Laura Wersching – RP1
LS 1-f
🏆 923 Punkte
Hier bleibt besonders das Duell zwischen Tim und Nils spannend. Noch ist nichts entschieden – auch wenn Tim aktuell die Nase vorne hat.
🟥 Offene Klasse
- Philipp Ehrhardt – PE
Ventus 2cxM 18m
🏆 4.490 Punkte - Roloff & Kleinblotekamp – OF
Discus 2cT 18m
🏆 3.839 Punkte - Roswitha Ulrich – U
AS 34 Me 18m
🏆 3.425 Punkte - Jahn Loth – LO
Ventus 2cxM 18m
🏆 3.336 Punkte - Martin Wagner – IS
DG 800A/B 18m
🏆 2.702 Punkte - Karsten Stoppe – PX
DG 800A/B 18m
🏆 2.424 Punkte - Julia Hurraß – IA
Discus 2cFES 18m
🏆 2.136 Punkte
Philipp Ehrhardt hat sich hier bereits ein ordentliches Polster erarbeitet – aber wie man im Segelflug weiß: ein Tag kann manchmal alles verändern.
🟨 Doppelsitzerklasse
- Wartha & Lauer – MO
Arcus M
🏆 4.211 Punkte - Everwin & Dauer – 33
fs 33
🏆 3.911 Punkte - Köster & Depil – DTS
HpH 304 TS Twin Shark
🏆 3.589 Punkte - Bieckmann & Mende – ST
Duo Discus XLT
🏆 3.405 Punkte - Böhnisch & Luft – AG
Arcus M
🏆 2.071 Punkte - Wagner & Hunsicker – MH
Duo Discus T WL
🏆 1.818 Punkte - Dahlberg & Jacob – B4
DG 2000S 20m
🏆 1.252 Punkte
Gerade in der Doppelsitzerklasse bleibt es ebenfalls spannend. Der Vorsprung von MO wirkt zwar komfortabel – aber komfortabel ist im Segelflug bekanntlich relativ. 😄
🍻 Der letzte Abend bei Gholam
Der Abend klang schließlich ein letztes Mal beim gemeinsamen Essen von Gholam aus, bevor es später noch zu Cocktails und Kölsch an Andis Bar ging.
Und während irgendwo zwischen Biergläsern, Wetterdiskussionen und müden Gesichtern noch gerechnet wurde, stellte sich langsam die große Frage:
Wer macht morgen das Rennen? ✈️
eure Vanessa
